Das Proviantbachquartier
gestern – heute – morgen

siehe auch "Wer poliert das Proviantbachviertel auf?" (Artikel in der AZ)

Vor mehr als 100 Jahren errichtete die „Mechanische Spinnerei- und Weberei Augsburg“ (SWA) das Proviantbachquartier für ihre Textilarbeiter. Zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts erstellten Werk III „Proviantbach“ (Fabrikschloss) und im Vorgriff auf den Bau von Werk IV „Aumühle“ (Glaspalast) entstanden rund zwanzig dreigeschossige Häuser zwischen Proviantbach- und Otto-Lindenmeyer-Straße. Gegenüber marktüblichem Wohnraum waren die Werkswohnungen groß, hell und verfügten über Keller und Krautgarten. Und die Mieten lagen unter dem ortsüblichen Mietzins. Auch heute liegen die Mieten unter dem ortsüblichen Mietzins.

Doch heute leben kaum noch Textilarbeiter im Proviantbachquartier. Das Ende der SWA im Frühjahr 1989 bedeutete für Viele auch den Wegzug. Geblieben sind ältere Deutsche sowie italienische und türkische Arbeitsmigranten, die planen, im Alter nach Hause zurückzukehren. Gekommen sind Asylbewerber und Flüchtlinge, Aus- und Übersiedler, die in Gemeinschaftsunterkünften und Übergangswohnheimen wenige Monate oder auch viele Jahre im Proviantbachquartier leben, ohne hier zu Hause zu sein.

Der Anteil der Anwohner mit Migrationshintergrund liegt in manchen Straßenzügen bei über 90%. Und trotz der klar spürbaren sozialen und kulturellen Herausforderungen ist das Proviantbachquartier eines der buntesten und lebendigsten Viertel im von Industrie und Gewerbe, von Verkehrsflächen und Discountern geprägten Textilviertel.

Offene, räumliche Strukturen grenzen nicht aus, sondern laden ein, sich kennenzulernen. Schwimmkanal und Sportplatz sind beliebte Treffpunkte. Wasser und Grün, ursprüngliche Wildnis und gepflegte Kleingärten, die Vielfalt der Räume und Menschen sind Charme und Chance des Proviantbachquartiers.

Ob dieser Charme bestehen und diese Chance ergriffen werden, zeigen die nächsten Monate und Jahre, denn heute steht das Proviantbachquartier vor großen Veränderungen. Die Sanierung der denkmalgeschützten Backsteinhäuser ist beschlossen. Viele - Deutsche, Arbeitsmigranten sowie Aus- und Übersiedler - sind bereits weggezogen. Und Asylbewerber und Flüchtlinge werden im Sommer das Viertel verlassen. Anlass für Arbeiterwohlfahrt, Diakonisches Werk, Stadtjugendring und Tür an Tür, das Bunte und Gemeinsame der letzten Jahre bei einem letzten "30°C im Schatten. Sommer|Wasch|Tag im Proviantbachquartier" am Samstag, 30. Juni, mit Anwohnern und Gästen nochmals ausgiebig zu feiern.